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GEO in der Praxis: Warum Google AI Mode uns 26 Mal zitiert und ChatGPT kein einziges Mal

Profilfoto von Janick Rolli – Autor
Janick Rolli
· · 8 Min. Lesezeit
Das digital M.onster zwischen zwei Suchfenstern: bei Google AI Mode wird es zitiert, bei ChatGPT fehlt es
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Ein Report, zwei Welten

Mitte Juli haben wir einen externen Sistrix-Report über unsere eigene Website laufen lassen. Eine Zahl darin hat uns kurz sehr gefreut und dann ziemlich beschäftigt: Google AI Mode zitiert digitalm.ch 26 Mal als Quelle. ChatGPT zitiert uns exakt null Mal. Gleiche Website, gleicher Content, gleiche Woche (eigene Messung via Sistrix, Juli 2026).

Wir schreiben seit Monaten über AI-SEO, haben einen ausführlichen Guide dazu publiziert und die eigenen Hausaufgaben grösstenteils gemacht. Und trotzdem existieren wir für das meistgenutzte KI-Tool der Welt schlicht nicht als Quelle. Dieser Beitrag erklärt, warum das so ist, was wir richtig gemacht haben, was wir übersehen haben und was wir jetzt ändern. Mit echten Zahlen aus unserem eigenen Setup, nicht mit Theorie.

Kurz: Worum es bei GEO geht

GEO steht für Generative Engine Optimization und meint alle Massnahmen, mit denen deine Inhalte in KI-Antworten als Quelle auftauchen. Der Unterschied zu klassischem SEO in einem Satz: SEO sorgt dafür, dass du rankst, GEO sorgt dafür, dass du zitiert wirst.

Warum sich das lohnt, zeigen zwei Zahlen: Laut SparkToro und Similarweb endeten 2026 bereits über 68 Prozent der US-Google-Suchen ohne einen einzigen Klick (SparkToro/Similarweb, Studie 2026). Und selbst wer auf Position 1 rankt, verliert 58 Prozent seiner Klicks, sobald eine AI Overview darüber steht (Ahrefs, Messung Dezember 2025). Die Antwort passiert zunehmend in der KI-Oberfläche. Wer dort nicht als Quelle vorkommt, verliert den Kontakt, bevor er entsteht.

Die komplette Anleitung mit Checkliste, Code-Snippets und Tracking-Setup findest du in unserem AI-SEO-Guide. Hier geht es um etwas anderes: um das, was zwischen Anleitung und Realität passiert, wenn man es selbst umsetzt.

Was bei uns funktioniert hat

Die 26 Zitierungen im Google AI Mode sind kein Zufall. Sie sind das Ergebnis von Massnahmen, die wir über die letzten Monate umgesetzt haben:

  • TLDR-Blöcke am Anfang jedes Blogposts und Guides. KI-Systeme lieben extrahierbare Kernaussagen. Vier bis fünf Sätze, die den Beitrag zusammenfassen, direkt unter dem Titel.
  • FAQ-Schema flächendeckend. Jede wichtige Seite beantwortet die häufigsten Fragen strukturiert und als maschinenlesbares FAQPage-Markup.
  • llms.txt und llms-full.txt. Eine kompakte Karte unserer Website für KI-Systeme: wer wir sind, was wir anbieten, wo die wichtigsten Inhalte liegen.
  • robots.txt offen für AI-Crawler. GPTBot, OAI-SearchBot, PerplexityBot und ClaudeBot dürfen bei uns explizit rein. Wer blockiert, kann nicht zitiert werden.

Google AI Mode bedient sich primär aus dem Google-Index, dem Knowledge Graph und Signalen wie dem Google Business Profile. Auf all diesen Kanälen sind wir sauber aufgestellt, und die klassische SEO-Basis stimmt ebenfalls: Unsere Impressionen in der Google Search Console sind im Quartalsvergleich um 132 Prozent gestiegen (eigene GSC-Daten, Stand Juli 2026). Google kennt uns gut, also zitiert uns auch Googles KI.

So weit die angenehme Hälfte der Geschichte.

Was wir übersehen haben

ChatGPT wählt seine Quellen fundamental anders aus als Google. Zwei Mechanismen sind entscheidend, und bei beiden hatten wir Lücken, die uns erst der Blick von aussen gezeigt hat.

Erstens: ChatGPT sucht über den Bing-Index. Nicht über Google. Unsere Website war zwar im Bing-Index vorhanden, das haben wir per Stichprobe über 25 URLs verifiziert. Aber wir hatten Bing Webmaster Tools nie verifiziert, keine Sitemap dort eingereicht und IndexNow nie aktiviert. Übersetzt: Wir hatten null Kontrolle und null Frische-Signale auf genau dem Index, aus dem ChatGPT seine Suchergebnisse bezieht. Bei Google pflegen wir die Search Console seit Jahren wöchentlich. Bei Bing haben wir nicht einmal den Briefkasten angeschrieben.

Zweitens: ChatGPT vertraut Dritt-Quellen mehr als deiner eigenen Website. Marken werden in KI-Antworten 6,5-mal häufiger über Drittseiten zitiert als über die eigene Domain (AirOps, 2025, Auswertung von 21’311 Brand-Mentions über GPT-5, Claude und Perplexity). Wikipedia allein macht rund 7,8 Prozent aller ChatGPT-Citations aus (Profound, 2025). Die KI will unabhängige Bestätigung, dass es dich gibt und dass du relevant bist.

Und genau da wird es unangenehm konkret: Wir hatten im Mai eine Liste mit den wichtigsten Verzeichnis-Einträgen erstellt, inklusive Wikidata und Crunchbase, den beiden Plattformen mit dem grössten Hebel für KI-Sichtbarkeit. Umgesetzt haben wir davon bis Juli weniger als die Hälfte. Der Wikidata-Eintrag: nie erstellt. Das Crunchbase-Profil: nie erstellt. Die Liste lag da, der Alltag war schneller.

Das Ergebnis passt exakt zu diesem Bild. Google kennt digital M. über die eigenen Assets und zitiert uns 26 Mal. ChatGPT findet keine bestätigenden Dritt-Quellen und zitiert uns null Mal. Die Diagnose war am Ende keine Raketenwissenschaft, sie stand sinngemäss schon in unserem eigenen Guide. Geschrieben hatten wir es, gelebt noch nicht.

Was wir jetzt ändern

Aus dem Befund ist ein konkreter Plan geworden, und das Schöne daran: Der grösste Teil kostet fast nichts.

  1. Bing Webmaster Tools verifizieren und Sitemap einreichen. Dauert per Import aus der Google Search Console rund zwei Minuten.
  2. IndexNow aktivieren. Unsere Website läuft auf Cloudflare, dort ist IndexNow als native Integration ein einziger Schalter. Damit erfährt Bing sofort von neuen und geänderten Seiten.
  3. Wikidata- und Crunchbase-Einträge erstellen, danach die restlichen Verzeichnisse. Mit einem Detail, das leicht vergessen geht: Alle Einträge müssen dieselben Firmendaten tragen wie Website und Google Business Profile. Inkonsistente Adressdaten verwirren nicht nur Google, sondern auch jeden Knowledge Graph.
  4. Statistiken in unseren Top-Inhalten mit Quelle und Jahr belegen. Die GEO-Studie von Princeton (Aggarwal et al., KDD 2024) zeigte, dass Quellenangaben, Zitate und Statistiken die Sichtbarkeit in generativen Engines um bis zu 40 Prozent steigern. Jede Zahl bekommt bei uns deshalb eine sichtbare Quelle und ein sichtbares Datum. Du siehst das Prinzip in diesem Beitrag laufend angewendet.
  5. Bestehende Vergleichs- und Listen-Beiträge frisch halten. Sichtbare Stand-Daten («Stand Juli 2026») sind ein Aktualitäts-Signal, das KI-Systeme bei der Quellenwahl belohnen.

Der Messpunkt: Mitte Oktober 2026

Damit das hier kein folgenloser Vorsatz bleibt, legen wir uns öffentlich fest: Mitte Oktober 2026, also rund drei Monate nach den Massnahmen, messen wir mit derselben Methode nochmals. Gleicher Sistrix-Report, gleiches Keyword-Set, dazu ein manueller Check unserer wichtigsten Suchanfragen direkt in ChatGPT.

Unsere Erwartung, realistisch formuliert: erste ChatGPT-Zitierungen im einstelligen Bereich, keine 26. Der Bing-Teil wirkt schnell, der Dritt-Quellen-Aufbau braucht erfahrungsgemäss drei bis neun Monate, bis er sichtbar auf Citations einzahlt. Wikidata- und Crunchbase-Moderation dauern zudem einige Tage bis Wochen.

Die Zahlen veröffentlichen wir dann in einem Follow-up. Auch wenn sie enttäuschen sollten. Gerade dann, denn ein dokumentierter Fehlschlag mit sauberer Analyse ist mehr wert als zehn Erfolgsgeschichten ohne Zahlen.

Was du für dein KMU daraus lernen kannst

Unsere Geschichte ist kein Agentur-Spezialfall. Die gleichen Lücken stecken in fast jedem KMU, meist sogar grössere. Vier Dinge kannst du direkt übertragen.

Schau bei Bing vorbei, auch wenn sich das 2026 seltsam anfühlt. Fast alle optimieren nur für Google, weil dort die Besucher herkommen. Aber ChatGPT sucht über Bing, und damit ist der Index, den seit Jahren niemand anschaut, plötzlich wieder relevant. Die Verifikation in Bing Webmaster Tools ist kostenlos, dauert per Import aus der Google Search Console rund fünf Minuten und zeigt dir sofort, wie deine Website dort vertreten ist. Wir haben diesen Schritt jahrelang ausgelassen, und die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass er auch in deinem Setup fehlt.

Investiere in Dritt-Quellen, nicht nur in die eigene Website. Die 6,5-mal-Zahl von AirOps gilt nicht nur für uns. Für ein KMU heisst das konkret: die relevanten Branchenverzeichnisse pflegen, einen Wikidata-Eintrag und, falls passend, ein Crunchbase-Profil anlegen und echte Bewertungen auf Google und den Plattformen deiner Branche sammeln. Ein weiterer Blogpost auf der eigenen Website bringt für die ChatGPT-Sichtbarkeit weniger als ein sauberer Eintrag dort, wo die KI nach unabhängiger Bestätigung sucht. Wichtig dabei: überall exakt dieselben Firmendaten.

Strukturiere deine Inhalte, das zahlt doppelt ein. FAQ-Blöcke, kurze Zusammenfassungen am Anfang und klare Antworten auf konkrete Fragen helfen nicht nur KI-Systemen beim Zitieren, sie verbessern auch dein klassisches Google-Ranking und die Lesbarkeit für Menschen. Wenige Massnahmen haben ein besseres Verhältnis von Aufwand zu Wirkung.

Miss zuerst, gib erst danach Geld aus. Deine Zitier-Realität kannst du heute Abend prüfen: Stell ChatGPT, Perplexity und Google die zehn Fragen, die deine Kundschaft stellen würde, und notiere, ob du als Quelle auftauchst. Das kostet nichts und zeigt dir, ob du überhaupt ein Problem hast und wo genau es liegt. Wir haben für diese Erkenntnis einen externen Report gebraucht. Dir reicht für den Anfang eine halbe Stunde.

Fazit: GEO ist kein Hexenwerk

Wenn du aus unserer Erfahrung eine Sache mitnimmst, dann diese: GEO ist kein neues Zauber-Kürzel, für das du alles über Bord werfen musst. Es ist solides SEO plus eine Handvoll neuer Gewohnheiten. Strukturierte Antworten, offene Türen für AI-Crawler, belegte Zahlen, gepflegte Präsenz auf den Plattformen, denen KI-Systeme vertrauen, und ein Auge auf Bing, das die meisten von uns jahrelang ignorieren konnten.

Der zweite Punkt ist unbequemer: Zwischen Wissen und Umsetzung liegt ein Graben, und der wird nicht kleiner, nur weil man den Guide dazu selbst geschrieben hat. Uns hat erst der externe Report gezeigt, dass wir die halbe Hausaufgabe liegen gelassen hatten.

Wenn du selbst loslegen willst: Die komplette Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Checkliste und Code-Snippets steht in unserem AI-SEO-Guide 2026. Und wie unser Experiment ausgeht, liest du im Oktober hier im Blog.

Häufige Fragen

Was ist GEO (Generative Engine Optimization)?

GEO bezeichnet alle Massnahmen, mit denen deine Inhalte in Antworten von KI-Systemen wie ChatGPT, Perplexity, Gemini oder Google AI Mode als Quelle zitiert werden. Der Unterschied zu klassischem SEO: Es geht nicht darum, auf Position 1 zu ranken, sondern darum, dass die KI dich als Quelle auswählt und nennt. Die Grundlagen bleiben dieselben wie bei gutem SEO, dazu kommen ein paar neue Signale wie strukturierte Antwortblöcke, llms.txt und Präsenz auf Dritt-Plattformen.

Warum zitiert ChatGPT eine Website nicht, obwohl Google AI Mode sie zitiert?

Weil die beiden Systeme ihre Quellen unterschiedlich auswählen. Google AI Mode greift auf den Google-Index, den Knowledge Graph und Signale wie das Google Business Profile zurück. ChatGPT nutzt für die Web-Suche den Bing-Index und gewichtet Dritt-Quellen wie Wikipedia, Wikidata, Verzeichnisse und Fachplattformen überdurchschnittlich stark. Wer nur die eigene Website optimiert und auf Dritt-Plattformen kaum vorkommt, ist bei Google sichtbar und bei ChatGPT unsichtbar. Genau das ist uns passiert.

Welche Rolle spielt der Bing-Index für die ChatGPT-Sichtbarkeit?

Eine grundlegende. ChatGPT mit Web-Suche bezieht seine Suchergebnisse aus dem Bing-Index. Ist eine Website dort nicht oder nur dünn vertreten, kann ChatGPT sie gar nicht als Quelle anzeigen. Prüfen lässt sich das über Bing Webmaster Tools, die sich in wenigen Minuten per Import aus der Google Search Console verifizieren lassen. Zusätzlich sorgt IndexNow dafür, dass neue und geänderte Seiten sofort an Bing gemeldet werden.

Was bringt ein Wikidata- oder Crunchbase-Eintrag für die KI-Sichtbarkeit?

Beide gehören zu den am stärksten genutzten strukturierten Quellen, aus denen KI-Systeme Firmenwissen beziehen. Wikidata speist Knowledge Graphs und Trainingsdaten, Crunchbase wird von ChatGPT und Claude häufig als Referenz für Firmen herangezogen. Fehlen solche Einträge, findet die KI keine unabhängige Bestätigung, dass es ein Unternehmen überhaupt gibt, und zitiert im Zweifel lieber eine Quelle, die sie über mehrere Plattformen hinweg verifizieren kann.

Was kann ein KMU aus dem Beispiel von digital M. lernen?

Vier Dinge: Erstens die eigene Website in Bing Webmaster Tools verifizieren, denn ChatGPT sucht über den Bing-Index, und dieser Schritt wird fast immer vergessen. Zweitens in Dritt-Quellen investieren, also Branchenverzeichnisse, Wikidata, Bewertungen, weil Marken in KI-Antworten 6,5-mal häufiger über Drittseiten zitiert werden als über die eigene Domain. Drittens Inhalte strukturieren (FAQ, Zusammenfassungen, klare Antworten), das hilft KI-Sichtbarkeit und klassischem SEO gleichzeitig. Viertens zuerst messen statt raten: Die eigenen Top-Fragen in ChatGPT und Perplexity testen kostet nichts und zeigt, wo das Problem liegt.

Wie misst man, ob die eigene Website in KI-Antworten auftaucht?

Drei Wege haben sich bewährt: Erstens SEO-Tools wie Sistrix, die KI-Zitierungen für ein Keyword-Set ausweisen. Zweitens ein monatlicher manueller Check, bei dem du deine 10 wichtigsten Suchanfragen in ChatGPT, Perplexity und Google durchgehst und protokollierst, ob du als Quelle erscheinst. Drittens indirekt über GA4-Referrals von chatgpt.com, perplexity.ai und gemini.google.com. Wichtig ist, die Methode konstant zu halten, damit die Messpunkte vergleichbar bleiben.

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